Körperdialog

Trotz Fibromyalgie keine Schmerzen!

Krankengymnastik, klassische Fußreflexzonenmassage, Massage, Fango-Packungen gehörten jahrelang zu meinen wöchentlichen Terminen. Ich hatte jeden Tag Schmerzen, in den Muskeln, Bindegewebe, Gelenke, die sich angeschwollen anfühlen. Morgensteifigkeit war typisch. Magenschleimhaut ständig gereizt, müde, erschöpft. Taubheitsgefühle an Fingern und Händen, Nebel im Kopf.
In den 90er Jahren gab es noch keine Bezeichnung für meine Symptome. Eines Tages sprach ein Physiotherapeut von einer neuen Krankheit, über die er in einer schwedischen Fachzeitschrift gelesen hatte: Fibromyalgie.
Aber es dauerte noch etliche Jahre, bis mir ein Arzt wirklich glaubte und die Erkrankung erkannte. Zwar bekam ich regelmäßig meine physiotherapeutischen Anwendungen, mehr als zehn Jahre, aber die Schmerzen blieben.
Ich konnte mir überhaupt nicht mehr vorstellen, wie es ist, meinen Körper zu spüren, ohne ihn als schmerzhaft wahr zu nehmen.
Nun sollten man meinen, das würde meinen Alltag beeinträchtigen, aber weit gefehlt. Ich habe mir trotzdem viel zugemutet, oder viel geschultert, wie man auch sagen könnte. Familie, Haushalt, Job, verschiedene Ehrenämter – ich würde mich selber durchaus als „Arbeitstier“ bezeichnen, wenn ich ehrlich bin – eins mit einem hohen Anspruch an sich selber. Dazu kam eine innere Suche, die mich antrieb und auch heute noch antreibt.
Die Suche nach dem Sinn, nach Spiritualität.
Dann, Ende der 90er, die Idee, ein Studium zu beginnen. Kommunikation, klang spannend und war mit der Familie vereinbar. Das ich innerhalb dieses Studiums etwas finden würde, das mein bisheriges Leben revolutionierte, damit hatte ich nicht gerechnet.

Im Vertiefungsstudiengang „Theaterpädagogik“ erklärte unser Dozent kurz vor der Sommerpause, die erste Woche im neuen Semester wird eine Kurs-Woche mit einer niederländischen Dozentin sein zum Thema – Körperarbeit als Schauspieler.
Sehr unmotiviert startete ich in dieses neue Semester. Wusste ich doch, wenn ich meinem Körper zu viel zumute, antwortet er mit starken Schmerzen.
„Stilstaan bij bewegen“ heißt das Trainingsprogramm von Margot Groot. Übersetzt bedeutet es „Still stehen in der Bewegung, oder besser: Innehalten in der Bewegung“.

Schon der erste Tag dieser Woche hat mich „aus den Schuhen gekippt“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Auftreten, meine Körperhaltung, meine Gangart, alles konnte ich in Zusammenhang bringen mit meiner inneren Geisteshaltung, meinen Gefühlen und Charaktereigenschaften.
Sollte es möglich sein, dass da tatsächlich ein Zusammenhang besteht?
Kann meine Lebenshaltung meinen Körper beeinflussen?
Oder, wie Margot betonte, kann tatsächlich eine andere Körperhaltung mein Leben verändern?
Der beste Beweis war für mich: nach Abschluss dieses einwöchigen Kurses war ich zum ersten Mal seit über 15 Jahren schmerzfrei. Welch ein überwältigendes Gefühl!

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