Das Labyrinth – ein Symbol für den Lebensweg

Das Labyrinth in seiner klassischen Form taucht schon vor Tausenden von Jahren auf.
Es ist ein uraltes Symbol, das sich durch die Geschichte der Menschheit zieht.

Ein Labyrinth ist kein Irrgarten, oft werden die beiden verwechselt.
Der Irrgarten hat Sackgassen, das Labyrinth hat nur einen einzigen Weg,
der unweigerlich in die Mitte führt, wenn auch nicht direkt, sondern über Wendungen, Umkehrungen erreicht man den Mittelpunkt.
Und genau den gleichen Weg geht man zurück, wieder zum Ausgang des Labyrinthes.

Es gibt viele verschiedene Typen von Labyrinthen, meine bevorzugten sind
das klassische und das Labyrinth von Chartres. Das klassische ist das ältere Labyrinth, sein Weg zur Mitte ist kürzer, aber auch voller Wendungen und Umwege, bevor wir die Mitte erreichen.
Das Labyrinth mit der Rose in der Mitte, wie es zum ersten Mal in der frz. Kirche in Chartres im 11. Jhd. erbaut wurde, hat eine exakt durchdachte Weglänge und Zahlensymbolik.
Vermutlich diente es als Ersatz für eine Pilgerreise, als ein Werkzeug für eine spirituelle Übung, den schmalen Pfad betend zur Mitte zu schreiten, wo Gott auf den Beter wartet.

Genau wissen wir nicht, ob in der Vergangenheit die Bedeutung des Labyrinthes die gleiche war, die sie es heute für uns ist: ein Symbol für den Lebensweg, ein Bild, ein Spiegel für den schwierigen, verschlungenen Lebensweg eines jeden Menschen.
Das Labyrinth spricht zu uns, dass das Leben nicht gradlinig verläuft,
es hat Wendungen und Kehrtwendungen. Es spricht von Angst und Tod, von Geburt und Neuwerdung. Es gibt Kämpfe und Müdigkeit den langen Weg zu gehen.
Jede Wendung hilft uns, unsere Lebenssituation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und zu erfühlen. Oft verlieren wir auf dem langen Weg die Mitte aus den Augen, das eigentliche Ziel ist nicht mehr sichtbar. Und erreichen dann doch plötzlich die Mitte.
Die Mitte ist für uns heute ein Ort der Selbsterkenntnis und Integration des Erkannten.
Wir hören auf unsere Innere Stimme, verweilen in der Mitte, sprechen vielleicht ein Gebet. Die Mitte hat eine starke Kraft. Sie gilt es zu erspüren. Der Rückweg hilft uns dabei, diese Erkenntnisse in unseren Alltag zu tragen und umzusetzen.

Das Labyrinth fasziniert, durch seine unterschiedlichen Bauarten und Typen, durch seine Symbolik, durch seine Schönheit und besonders als Instrument, sich selber näher zu kommen und mehr über sich zu erfahren. Wenn ich hineingehe, kann ich mir nicht ausweichen. Ich erkenne die Umwege, die Wendungen in meinem Leben: Krankheit, Krisen, Zweifel bekommen einen neuen Sinn. Und trotz aller Umwege komme ich an das Ziel und spüre:
Nur Ich kann meinen Weg gehen!

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