Labyrinthe

Die Rose in der Mitte des Chartres Labyrinthes

Die Mitte im Labyrinth von Chartres

In der Mitte des Labyrinthes in Chartres ist ein Kreis mit sechs Blütenblättern – die Rose.
Dieses kirchliche, mittelalterliche Labyrinth soll insofern einzigartig sein, da es das einzige Labyrinth ist, das im Mittelpunkt die Rose darstellt.
Bei Kathleen McGowan habe ich zum ersten Mal von der spirituellen tiefen Bedeutung dieser Rose gelesen. In ihrem Buch „Vater unser“ schreibt sie, dass in Chartres im Frühmittelalter eine berühmte geistliche Schule ansässig war, ein Zentrum für Theologie und Mystik. Diese Schule zählte Heilige, Mystiker, Philosophen und viele Berühmtheiten zu ihren Lehrern und Schülern. Dennoch ist vieles dieser Lehren im Laufe der Geschichte verloren gegangen. Kathleen beschreibt in ihrem Buch, was sie gefunden hat auf der Suche nach diesen alten Lehren, nämlich den Weg des Labyrinthes und die Rose in seinem Mittelpunkt als eine Pforte zur spirituellen Wandlung:

Das Geheimnis der Rose mit den sechs Blütenblättern ist, dass sie genau dem
„Vater unser“ entspricht. Jedes Blatt der Rose, steht für eine Lehre, die sich im Vater unser findet, und ihr Mittelkreis bildet die Essenz und den Quell der Liebe, denn Liebe muss in alle Aspekte unseres Lebens einfließen, damit wir wahre Erfüllung erlangen können. Die Rose ist das Sinnbild der vollendeten spirituellen Übung, wie sie uns von Jesus hinterlassen wurde. Sie ist unsere Schatzkarte zur Quelle der Wunder.

Das, was Kathleen McGowan hier beschreibt, war für mich eine neuer Blick auf das Vater unser. Ich kannte verschiedene Blickwinkel auf das Vater unser: Martin Luther, Karl Rahner, der heilige Franziskus, um nur einige zu nennen. Dennoch hat mich diese Verbindung des Vaterunsers mit dem Labyrinth tief bewegt. Es ergibt einen wunderbaren Sinn, das Labyrinth so zu nutzen. Wenn man mit einem Problem oder einer Frage das Labyrinth betritt oder das Fingerlabyrinth benutzt, ist der Weg eine gute Vorbereitung für die Rose in der Mitte. Gedanken dürfen kommen und gehen, Ängste und Freude zu einem Thema werden erfühlt, meine innere Haltung wird geprüft.
Ich habe eine kurze Zusammenfassung der Symbolik der Rose aufgeschrieben, in der deutlich wird, welchen Schatz Jesus uns hinterlassen hat. Laut der Mystik von Chartres darf man das jeweilige Blatt erst verlassen und zum nächsten weiter gehen, wenn man die Aussage des
Vaterunseres, die zu diesem Blatt gehört, aus ganzem Herzen bejahen kann. Diese kurze Zusammenfassung kann nur einen Überblick zeigen, aber welche Kraft hinter den einzelnen Gewissenserforschungen steckt, wird, glaube ich, deutlich:
Glaube, Hingabe, Dienen, Fülle, Vergebung, Versuchung oder Hindernisse überwinden und letztlich die Liebe. Zu jedem einzelnen Blütenblatt kann ich mich fragen, ob dieses im Bezug auf meine Frage oder meinem Problem, auf mich zutrifft.
Als Beispiel: Bin ich bereit, auch in dieser Situation an den Vater im Himmel zu glauben?
Bin ich bereit, mich ganz seinem Willen hinzugeben und an seine Liebe zu glauben, komme was wolle.
Bin ich bereit, meinen Mitmenschen und Gott zu dienen?
Bin ich bereit, an die Fülle als Geschenk Gottes an mich zu glauben?
Bin ich bereit, meinen Nächsten zu vergeben, und auch mich selber vor Gott zu stellen und um Vergebung zu bitten?
Bin ich bereit, mir meine sieben „Todsünden“ schonungslos anzusehen?
Und letztlich bin ich bereit, in allem die Liebe zu sehen und Liebe zur Grundlage meines Handeln zu machen.

Die Symbolik der Rose nach Chartres
1. Blatt: Glaube – Vater unser im Himmel
2. Blatt: Hingabe – Dein Reich komme – Dein Wille geschehe
3. Blatt: Dienen – Wie im Himmel, so auf Erden
4. Blatt: Fülle – Unser tägliches Brot gib uns heute
5. Blatt: Vergebung – Und vergib uns unsere Schuld.
                Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
6. Blatt: Hindernisse überwinden – Und führe uns nicht in Versuchung,
                sondern erlöse uns von dem Bösen.
                Die 7 Todsünden:
                Hochmut, Zorn, Neid, Trägheit, Habgier, Völlerei, Wollust
7. Das Zentrum der Rose: die Liebe

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